Bluthochdruck: gefährlich, gerade weil er nicht wehtut
Jeder dritte Erwachsene in Deutschland hat Bluthochdruck, viele ohne es zu wissen. Welche Werte gelten, wie richtig gemessen wird und was wirklich hilft.
Bluthochdruck tut nicht weh. Genau das macht ihn gefährlich. Er bleibt oft über Jahre unbemerkt und schädigt in dieser Zeit still Gefäße, Herz, Nieren, Augen und Gehirn. Wenn er auffällt, dann häufig erst durch ein Ereignis, das sich hätte verhindern lassen.
In Deutschland ist etwa jeder dritte Erwachsene betroffen. Ein erheblicher Teil weiß nichts davon, und von denen, die es wissen, erreicht längst nicht jeder gute Werte.
Ab wann spricht man von Bluthochdruck?
In der Praxis gemessen gilt ein Blutdruck ab 140/90 mmHg als Bluthochdruck. Der optimale Bereich liegt unter 120/80 mmHg; Werte dazwischen gelten als hochnormal und sollten im Auge behalten werden.
Der erste Wert (systolisch) entsteht, wenn das Herz Blut auswirft, der zweite (diastolisch) in der Füllungsphase dazwischen. Erhöht sein kann auch nur einer von beiden – das zählt ebenfalls.
Wichtig: Eine einzelne erhöhte Messung ist keine Diagnose. Entscheidend ist die Wiederholung, am besten außerhalb der Praxis.
Warum einmal messen nicht reicht
Weißkittelhochdruck. Bei manchen Menschen steigt der Blutdruck allein durch die Situation in der Praxis. Sie werden behandelt, obwohl sie zu Hause normale Werte haben.
Maskierter Hochdruck. Der umgekehrte, gefährlichere Fall: In der Praxis ist alles unauffällig, im Alltag sind die Werte dauerhaft zu hoch. Dieser Typ wird regelmäßig übersehen.
Beides klärt eine Langzeit-Blutdruckmessung über 24 Stunden, die wir in der Praxis durchführen. Sie misst tagsüber und nachts automatisch und zeigt etwas, das eine Einzelmessung nie zeigen kann: ob Ihr Blutdruck nachts absinkt. Bleibt er nachts hoch, ist das ein eigenständiges Risiko und ein Hinweis, genauer hinzuschauen.
Richtig selbst messen
Wenn Sie zu Hause messen, lohnt es sich, es sauber zu tun – sonst messen Sie Zufall:
- Fünf Minuten ruhig sitzen, bevor Sie beginnen.
- Rücken angelehnt, Füße flach auf dem Boden, Beine nicht überschlagen.
- Manschette auf Herzhöhe, direkt auf der Haut, Arm locker auf dem Tisch.
- Nicht sprechen während der Messung.
- Zweimal messen im Abstand einer Minute, den zweiten Wert notieren.
- Morgens vor der Medikamenteneinnahme und abends messen, jeweils eine Woche am Stück vor dem Arzttermin.
Oberarmgeräte sind Handgelenkgeräten vorzuziehen. Bringen Sie Ihr Gerät gern zum Termin mit, dann vergleichen wir es mit unserer Messung.
Was hilft, bevor Tabletten nötig sind
Bei leicht erhöhten Werten lässt sich oft viel ohne Medikamente erreichen. Die Größenordnungen sind nicht symbolisch:
- Gewicht: etwa 1 mmHg weniger pro Kilogramm Gewichtsabnahme
- Bewegung: 30 Minuten zügiges Gehen an fünf Tagen pro Woche senkt den oberen Wert um rund 5 bis 8 mmHg
- Salz: unter 5 bis 6 Gramm am Tag – der größte Teil steckt in Brot, Wurst, Käse und Fertigprodukten, nicht im Salzstreuer
- Alkohol: reduzieren hilft messbar
- Rauchstopp: senkt den Dauerblutdruck wenig, das Herz-Kreislauf-Risiko aber sehr deutlich
- Schlaf: unbehandelte Schlafapnoe ist eine häufige und oft übersehene Ursache für schwer einstellbaren Bluthochdruck
Wenn Medikamente dazukommen
Sie sind kein Scheitern und kein Lebensurteil. Moderne Blutdruckmittel sind gut verträglich, und häufig ist eine niedrig dosierte Kombination zweier Wirkstoffe sinnvoller als die Höchstdosis eines einzelnen – sie wirkt besser und hat weniger Nebenwirkungen.
Zwei Dinge sind dabei wichtig: Nehmen Sie die Medikamente regelmäßig, auch an Tagen, an denen Sie sich gut fühlen – genau das ist ja das Ziel. Und setzen Sie sie nicht eigenmächtig ab. Wenn etwas stört, sagen Sie es uns; es gibt fast immer eine Alternative.
Was wir in der Praxis anbieten
Blutdruckmessung und Langzeit-Blutdruckmessung über 24 Stunden, Ruhe-EKG und Langzeit-EKG, Ultraschall sowie Laborwerte zu Nieren, Blutzucker, Blutfetten und Schilddrüse. Damit lässt sich nicht nur feststellen, ob ein Bluthochdruck vorliegt, sondern auch, ob er bereits Spuren hinterlassen hat und ob eine behandelbare Ursache dahintersteckt.
Für Patientinnen und Patienten mit Bluthochdruck und koronarer Herzkrankheit bieten wir strukturierte Behandlungsprogramme (DMP) mit regelmäßigen Kontrollen an.
Wenn Sie Ihren Blutdruck seit über einem Jahr nicht kennen: Das ist eine Messung von zwei Minuten – und eine der wenigen Zahlen, die wirklich über Lebensjahre entscheiden.
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