Impfungen für Erwachsene: welche wirklich zählen
Tetanus, Keuchhusten, Gürtelrose, Pneumokokken: Impfschutz endet nicht mit der Kindheit. Ein Überblick, welche Auffrischungen wann anstehen und was bei Vorerkrankungen gilt.
Die meisten Menschen haben ihren Impfpass zuletzt in der Schule gesehen. Dabei endet Impfschutz nicht mit dem 18. Geburtstag: Manche Impfungen müssen aufgefrischt werden, andere kommen erst im Erwachsenenalter dazu, und bei chronischen Erkrankungen gelten eigene Empfehlungen.
Grundlage der folgenden Übersicht sind die Empfehlungen der Ständigen Impfkommission (STIKO) am Robert Koch-Institut. Für Sie persönlich kann davon abgewichen werden – das besprechen wir im Einzelfall.
Die Auffrischungen, die alle betreffen
Tetanus und Diphtherie – alle zehn Jahre. Tetanus-Erreger stecken in Erde und Staub; schon eine kleine Gartenverletzung genügt. Die Erkrankung ist selten geworden, verläuft aber auch heute oft tödlich. Die Diphtherie-Komponente wird mitgegeben, weil der Schutz in der Bevölkerung nachgelassen hat.
Keuchhusten – einmal im Erwachsenenalter. Pertussis gilt als Kinderkrankheit, ist es aber nicht: Ein erheblicher Teil der Fälle betrifft Erwachsene, bei denen sie sich als wochenlanger, quälender Husten zeigt. Die Auffrischung wird einmalig zusammen mit der nächsten Tetanus-Impfung gegeben. Besonders wichtig ist sie für alle, die Kontakt zu Säuglingen haben – für Neugeborene kann Keuchhusten lebensbedrohlich sein.
Polio. Für die meisten genügt die Grundimmunisierung aus der Kindheit. Eine Auffrischung ist bei Reisen in Gebiete mit Polio-Vorkommen sinnvoll.
Ab 60 kommen zwei dazu
Gürtelrose (Herpes Zoster) – ab 60, bei Risikofaktoren ab 50. Das Varizella-Zoster-Virus bleibt nach einer Windpocken-Erkrankung lebenslang im Körper und kann Jahrzehnte später als Gürtelrose wieder aktiv werden. Gefürchtet ist weniger der Ausschlag als die Post-Zoster-Neuralgie: Nervenschmerzen, die Monate bis Jahre anhalten können und schwer zu behandeln sind. Empfohlen wird der Totimpfstoff, zwei Dosen im Abstand von zwei bis sechs Monaten.
Pneumokokken – ab 60. Pneumokokken sind die häufigsten Erreger einer bakteriellen Lungenentzündung. Bei chronischen Erkrankungen oder geschwächtem Immunsystem wird die Impfung auch früher empfohlen.
Jährlich: Grippe und COVID-19
Grippe (Influenza) – empfohlen ab 60 Jahren, in der Schwangerschaft, bei chronischen Erkrankungen und für medizinisches Personal. Die beste Zeit ist Oktober bis Mitte Dezember. Der Impfstoff wird jedes Jahr an die zirkulierenden Virusvarianten angepasst, deshalb ist eine jährliche Impfung nötig.
COVID-19 – eine jährliche Auffrischung wird für Menschen ab 60 Jahren, für Personen mit Grunderkrankungen oder Immunschwäche sowie für medizinisches Personal empfohlen. Beide Impfungen können in einem Termin gegeben werden.
Bei chronischen Erkrankungen gelten eigene Regeln
Wer Diabetes, eine Herz-, Lungen-, Nieren- oder Lebererkrankung hat, immunsupprimierende Medikamente einnimmt oder ohne Milz lebt, hat ein deutlich höheres Risiko für schwere Verläufe. Für diese Gruppen sind Impfungen oft früher, in anderen Abständen oder mit anderen Impfstoffen vorgesehen.
Das ist einer der Punkte, an denen die infektiologische Erfahrung in unserer Praxis konkret nützt: Wir stimmen den Impfplan auf Ihre Erkrankung und Ihre Medikamente ab, statt ein Standardschema abzuarbeiten. Bei Immunsuppression kommt es zum Beispiel darauf an, Lebendimpfstoffe zu vermeiden und den richtigen zeitlichen Abstand zur Therapie einzuhalten.
Zwei Gruppen, die oft vergessen werden
Schwangere. Empfohlen sind Keuchhusten in jeder Schwangerschaft (im dritten Trimenon, um das Neugeborene zu schützen) sowie die Grippeimpfung.
Reisende. Je nach Ziel kommen Hepatitis A und B, Typhus, Tollwut, FSME oder Gelbfieber infrage. Planen Sie die Beratung früh ein: Manche Impfschemata brauchen mehrere Wochen.
Impfpass weg?
Das ist kein Drama, aber auch kein Grund, das Thema liegen zu lassen. Fehlende Impfungen werden als nicht erfolgt gewertet und neu begonnen. Zusätzliche Impfdosen sind dabei nicht gefährlich. Für einzelne Impfungen lässt sich der Schutz über eine Blutuntersuchung (Antikörperbestimmung) prüfen – das ist jedoch nicht bei allen sinnvoll und nicht immer eine Kassenleistung.
Was wir anbieten
Alle Standardimpfungen nach STIKO, Auffrischungen, Grippe- und COVID-19-Impfung, Impfberatung bei chronischen Erkrankungen und Immunschwäche sowie reisemedizinische Beratung.
Bringen Sie Ihren Impfpass zum nächsten Termin mit – auch wenn es kein Impftermin ist. Wir sehen ihn durch und sagen Ihnen in zwei Minuten, was ansteht.
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