Hepatitis B und C: die Infektion, die man nicht spürt
Virale Hepatitis verläuft jahrzehntelang ohne Beschwerden und schädigt dabei die Leber. Ab 35 Jahren zahlt die Kasse einen einmaligen Test – kaum jemand kennt ihn.
Es gibt wenige Untersuchungen mit einem so günstigen Verhältnis von Aufwand zu Nutzen wie das Hepatitis-Screening: eine einzige Blutentnahme, die eine Erkrankung aufdecken kann, die Jahrzehnte unbemerkt bleibt – und die heute in den meisten Fällen heilbar oder gut kontrollierbar ist.
Trotzdem wird der Test selten in Anspruch genommen, weil kaum jemand von ihm weiß.
Der Anspruch, den fast niemand kennt
Seit Oktober 2021 haben gesetzlich Versicherte ab 35 Jahren einmalig Anspruch auf eine Untersuchung auf Hepatitis B und C im Rahmen des Gesundheits-Check-ups. Die Kosten übernimmt die Krankenkasse vollständig.
Einmal im Leben, eine Blutentnahme, kein Eigenanteil. Wenn Sie 35 oder älter sind und diesen Test noch nie gemacht haben, sprechen Sie uns beim nächsten Termin darauf an.
Warum man nichts merkt
Die Leber hat keine Schmerzfasern im Gewebe. Sie kann über Jahre entzündet sein und vernarben, ohne dass es wehtut. Unspezifische Zeichen wie Müdigkeit, Abgeschlagenheit oder Druck im rechten Oberbauch werden fast immer anders erklärt – mit Stress, Schlafmangel oder dem Alter.
Erst wenn ein großer Teil des Gewebes vernarbt ist (Leberzirrhose), treten deutliche Beschwerden auf. Dann ist vieles nicht mehr rückgängig zu machen. Zu den möglichen Folgen einer unbehandelten chronischen Hepatitis gehören Leberzirrhose, Leberversagen und Leberkrebs.
Genau das macht ein Screening sinnvoll: Es findet die Infektion in der Phase, in der eine Behandlung noch alles verändert.
Hepatitis C: heute in der Regel heilbar
Das ist eine der größten Erfolgsgeschichten der Medizin der letzten Jahre. Bis vor etwa zehn Jahren bedeutete eine Hepatitis C eine monatelange, schlecht verträgliche Interferon-Therapie mit unsicherem Ausgang.
Heute stehen direkt antiviral wirkende Medikamente zur Verfügung: Tabletten, meist über acht bis zwölf Wochen, gut verträglich, mit Heilungsraten von über 95 Prozent. „Geheilt” bedeutet hier: Das Virus ist dauerhaft nicht mehr nachweisbar.
Übertragen wird Hepatitis C über Blut. Zu den Risikokonstellationen zählen Bluttransfusionen vor 1992, medizinische Eingriffe unter unsicheren hygienischen Bedingungen, Tätowierungen oder Piercings in nicht geprüften Studios und gemeinsam benutzte Spritzbestecke.
Hepatitis B: behandelbar und impfpräventabel
Eine chronische Hepatitis B ist derzeit meist nicht heilbar, aber sehr gut kontrollierbar. Medikamente unterdrücken die Virusvermehrung zuverlässig, bremsen die Vernarbung der Leber und senken das Krebsrisiko deutlich. Nicht jede chronische Infektion muss sofort behandelt werden – manche brauchen nur regelmäßige Kontrollen. Diese Unterscheidung gehört in erfahrene Hände.
Hepatitis B wird über Blut, beim Geschlechtsverkehr und von der Mutter auf das Kind übertragen. Gegen Hepatitis B gibt es eine wirksame Impfung, die in Deutschland seit 1995 zu den Standardimpfungen im Kindesalter gehört. Erwachsene mit erhöhtem Risiko sollten ihren Impfstatus prüfen lassen.
Wer sich unabhängig vom Alter testen lassen sollte
- Menschen aus Regionen mit höherer Verbreitung – dazu gehören unter anderem die Türkei, Osteuropa, der Nahe Osten, Afrika und Teile Asiens
- Kinder von Müttern mit Hepatitis B
- Personen mit Tätowierungen oder Piercings aus nicht geprüften Studios
- Empfängerinnen und Empfänger von Bluttransfusionen vor 1992
- Menschen mit erhöhten Leberwerten unklarer Ursache
- Haushalts- und Sexualpartner infizierter Personen
- Medizinisches Personal
- Menschen mit HIV-Infektion
Bei einer dieser Konstellationen ist ein Test auch außerhalb des Check-ups sinnvoll und begründbar.
Wie der Test abläuft
Eine normale Blutentnahme. Gesucht wird nach dem Oberflächenantigen des Hepatitis-B-Virus (HBsAg) und nach Antikörpern gegen Hepatitis C (Anti-HCV). Das Ergebnis liegt in wenigen Tagen vor.
Ist der Test unauffällig, ist das Thema erledigt. Ist er auffällig, folgen weiterführende Untersuchungen: Bestimmung der Viruslast, Leberwerte, Ultraschall der Leber und eine Einschätzung, wie weit die Vernarbung fortgeschritten ist. Erst daraus ergibt sich, ob und womit behandelt wird.
Was wir in der Praxis anbieten
Virale Hepatitiden gehören zum infektiologischen Schwerpunkt dieser Praxis. Das heißt: Screening, weiterführende Diagnostik, Leberultraschall, Einleitung und Begleitung der Therapie sowie die Verlaufskontrollen – vieles davon ohne Überweisung, mit Anbindung an spezialisierte Zentren dort, wo sie nötig ist.
Außerdem beraten wir zur Hepatitis-A- und -B-Impfung, auch im Rahmen der Reisevorbereitung.
Wenn Sie über 35 sind: Fragen Sie beim nächsten Termin nach dem Hepatitis-Screening. Es ist eine Blutentnahme – und es ist der seltene Fall, in dem ein unauffälliger Befund genauso wertvoll ist wie ein auffälliger.
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